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Wie der Affe Bimbo die Liebe fand

von Anne-Sophie Kretschmer       


Vor langer langer Zeit existierte irgendwo auf dieser Welt ein wunderschöner und sehr großer Urwald. Da war der Boden sandfarben, und wenn man genau hinsah, dann konnte man Steine sehen, die wie kleine Diamanten funkelten. So konnte es vorkommen, dass, wenn die Sonnenstrahlen einmal den Boden erreichten, der gesamte Urwald nur so leuchtete und in allen Regenbogenfarben schillerte.

Auch die Bäume und Pflanzen waren ganz besonders. Ein Blatt sah grüner aus als das andere, man konnte förmlich sehen, wie die Natur in dem Urwald lebte. Manche der Bäume waren so groß, dass sie sich mit der Sonne und den Wolken unterhalten konnten. Andere wiederum waren sehr klein, dennoch machte sie das nicht traurig. Ganz im Gegenteil: gerade weil sie so klein waren, hatten sie Freunde, die den großen Bäumen vollkommen verborgen blieben. Sie hatten nämlich zum Beispiel die Möglichkeit, sich jeden Tag mit den kleinsten Käfern des ganzen Urwaldes zu unterhalten.

Und erst die Blumen: ihre Blütenblätter trugen Farben, die es heute nirgendwo auf der ganzen Welt mehr gibt. Bunt, in satten Farben, wuchsen die Blumen im ganzen Urwald, und selbst wenn ein Hase eine dieser Blumen für seine Häsin pflückte, dann ging sie nicht ein. Nein, stolz behielt sie ihre Farbe und ihre Grazie - so, als sei sie nur auf der Welt, um Freude zu spenden.

Das Besondere jedoch an diesem Urwald war, dass er für jedes Tier geschaffen war. Egal, ob Eichhörnchen oder Wombat, ein jedes Tier war hier willkommen, und für jedes Tier gab es einen Platz zum Ausruhen sowie reichlich Futter. Sie lebten friedlich zusammen und halfen sich gegenseitig, wo es nur ging. Menschen gab es in diesem Urwald nicht. Einige lebten zwar in der Nähe, um sich an der wundervollen Natur zu erfreuen, und sie wollten die Tiere in ihrem Lebensraum nicht stören, sondern vergnügten sich einzig und allein mit dem puren Anblick des Waldes.

Der Affe Bimbo
Der Affe Bimbo

Eines Tages nun kam der Affe Bimbo in diesen Wald. Eine lange Reise hatte er schon hinter sich, fast hätte er nicht mehr an die Existenz des Waldes geglaubt. Doch sein Opa, der ihm während seiner Kindheit von diesem Wald immer die schönsten Geschichten erzählt hatte, war ein ehrlicher Affe, und deswegen wusste Affe Bimbo, dass er die Hoffnung nie aufgeben sollte.

Schon bevor er den Wald betreten hatte, wusste er, dass er angekommen war. Ein frischer Wind wehte ihm entgegen mit einer Luft, die so rein war wie nirgendwo sonst. Bimbo konnte die Ameisen krabbeln und arbeiten hören. Vögel zwitscherten zwischen dem Dickicht der Bäume. Ihr Gesang war klar und wunderschön.

Die Schmetterlinge
Die Schmetterlinge

Je näher er dem Wald kam, desto mehr Schmetterlinge begegneten ihm, so, als wollten sie ihn auf seinem Weg begleiten und ihn feierlich in das Innere des Waldes führen. Sie schwirrten farbenfroh um ihn herum und summten kleine Melodien in seine Ohren. Er fühlte sich jetzt schon wohl und geborgen, ja fast heimisch. Bimbo spürte, dass er in diesen Wald gehörte. Er gehörte hierher wie alle Bäume, Blumen und Tiere der Welt. Dies war das Paradies, der Garten Eden der Natur, und Affe Bimbo hatte wie viele andere schon vor ihm die Erlaubnis bekommen, in diesem Wald zu leben. In dem Affen regte sich immer mehr ein Gefühl unbändiger Freude. Er konnte sich nicht gegen das Lachen auf seinen Lippen wehren. Hinzu kam, dass er sicherst langsam, dann aber immer schneller im Hopserlauf auf den Wald zuzubewegen begann.

Diese Ausgelassenheit war sonst so gar nicht seine Art. Bimbo war eher ein ernsterer Typ. Nicht unbedingt verschlossen, dennoch auch nicht gerade sehr auf andere Affen oder sonstige Tiere zugehend. Sein alter Opa bezeichnete ihn immer als weise zurückhaltend, doch der junge Affe Bimbo wusste nur zu gut, wie unweise seine zurückhaltende Art manchmal sein konnte, vor allem wenn es um die Affenmädchen ging.

Aber das war nun vorbei. In diesem Urwald sollte sein neues Leben beginnen. Er spürte, je mehr er sich dem Wald näherte, dass hier ein Abenteuer auf ihn warten würde. Das Ziel des Abenteuers würde seinen größten Wunsch erfüllen. Das zumindest hatte sein Opa ihm erklären wollen. Doch was sein größter Wunsch war, das wusste Bimbo bis zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch nicht. Fest stand, dass dieser Wald ihm gut tun würde, und sein Opa hätte ihn ja schließlich nie eine halbe Weltreise für nichts antreten lassen.

Endlich war er da. Bimbo stand unter den Kronen zweier Bäume, die wie Zwillinge aussahen. Alles an ihnen war gleich, aber das verwunderte den Affen nicht sonderlich. Bimbo hatte eben im Gefühl, dass dieser Wald magisch war, und er hatte nicht das Geringste dagegen, sich von seinem Zauber einfangen zu lassen. Also stand er da und beobachtete die Umgebung. Diesen Moment wollte er sich fest ins Gedächtnis einprägen, immerhin würde er ja nicht jeden Tag in so einen tollen Urwald einziehen.

Allerdings wurde dieser friedlich anmutende Moment jäh unterbrochen, als ein zwitscherndes graues Ding auf ihn zugeschossen kam und ihm entgegenschrie: "Herzlich willkommen im meinem Wald!" Bimbo erschrak und schlug wild mit seinen großen Händen um sich. Doch der graue Ball fiepte ihm zu: "Bist du wahnsinnig? Hör auf, nach mir zu schlagen!" Bimbo wusste sich nicht zu helfen. Das graue Ding ließ nicht von ihm ab, sondern kam immer wieder direkt auf ihn zu. Das einzige, was ihm da noch einfiel, war, seine Hände vor die Augen zu legen, damit das Tier wenigstens diese nicht verletzen konnte. Damit folgte er einem alten Spruch seines Opas. Dieser versuchte ihn immer daran zu erinnern, dass Knochen wieder zusammenwachsen und Wunden verheilen, Augen jedoch nicht wieder nachwachsen können. Und was war schlimmer als ein Affe ohne Augen? Eben. Ohne Augen könnte er sich nie mehr von Baum zu Baum bewegen und bekäme ersicherlich immer nur die schlechten Bananen ab. Vor allem aber würde Bimbo ohne Augen nie im Leben eine hübsche Äffin finden können, und das wäre den Worten seines Großvaters zufolge das größte Übel.

Während er sich deshalb die Augen zuhielt, landete etwas auf seinem Kopf. Kleine Krallen kitzelten durch seine Haare hindurch, was, hätte es sein Opa gemacht, lustig gewesen wäre, ihn nun aber in Angst und Schrecken versetzte. Die Krallen tapperten weiter auf seinem Affenschädel herum und drehten dabei ihre Runden. Bimbo wehrte sich nicht sonderlich, sondern ertrug die erste Runde, die zweite und auch alle darauf folgenden Kreise, die das graue Etwas zog.

Susi der Nymphensittich
Susi der Nymphensittich

Bimbo vergaß völlig, dass er eigentlich das größere und insbesondere stärkere Tier war, und so traute er sich nur zögernd, nach geraumer Zeit, zu fragen: "Wer bist du?" "Na endlich! Ich dachte schon, du kannst nicht reden. Mein guter Freund Harry hat letztens einen abbekommen, der äußerst wortkarg war. Mann, ich kann dir sagen, der war fertig danach. Ach so, ich bin übrigens Susi, der Nymphensittich. Ich bin ab heute dein Waldfreund. Also jemand, der immer für dich da ist, hier bei uns im Urwald."

Das verstand Bimbo nicht, davon hatte sein Opa rein gar nichts erzählt. Nicht dass er etwas gegen einen Freund hier hätte, jedoch wollte er niemanden zum Freund haben, der ihn schamlos und ohne jegliche Vorwarnung angriff. Daher sagte er: "Ich brauche keinen Freund. Schon gar keinen Nymphensittich, was auch immer das sein mag." Kaum hatte er das gesagt, krallten sich die kleinen Füße noch tiefer in seinen Kopf. "Nun werd mal nicht frech, mein Kleiner. Wenn ich könnte, hätte ich mir auch jemanden ausgesucht, der nicht so müffelt wie du. Das ist ja unerträglich, dieser Geruch, der von dir ausgeht. Aber so läuft das nicht bei uns. Jeder im Wald bekommt einen neuen Mitbewohner zugeordnet, und diesem muss er dann alles Wichtige erklären und zeigen. Wir werden schon noch beste Freunde werden, besonders, wenn du Hunger hast. Jetzt nimm endlich die Hände von deinen Augen, ich will dir den Wald zeigen!"

Bimbo tat, wie ihm geheißen, wenn auch sehr scheu und langsam. Er wollte es sich nicht mit dem kleinen Tier verscherzen, denn Hunger hatte er schon seit einiger Zeit. Nun sah er sich diesen so genannten Nymphensittich erst einmal genauer an. Grau war das Gefieder und ein gelber Kopf mit roten großen Punkten thronte sozusagen über allem. "Was guckst du so? Denkst du etwa, ich habe heute zu viel Rouge aufgelegt?" "Wie bitte?", erwiderte Bimbo erschrocken. "Ich wollte mir nur von meinem ersten Freund im Urwald ein Bild machen." Susi, die ein wirklich schöner Nymphensittich war, wie Bimbo fand, nickte seine Antwort nur ab und meinte dann: "Nun gut, wir wollen keine Zeit verlieren, der Urwald ist ziemlich groß ...".

Schon kurz nachdem sie den Wald betreten hatten, merkte Bimbo, dass der Wald von innen noch viel schöner war als von außen. Und mitteilsam. Es duftete herrlich, überall hörte er die Tiere miteinander sprechen, lachen und spielen. Irgendwo schien ein Bach zu plätschern, Bimbo konnte sogar das frische Wasser riechen! Die Blumen schienen zu singen und die Bäume ächzten einander wohlig zu, wenn sie sich unterhielten. Ab und zu konnte Bimbo einen Blick auf Tiere erhaschen, die ihm vollkommen exotisch erschienen. Vor ihm krabbelte zum Beispiel ein kleiner Käfer, rot und mit schwarzen Punkten verziert.

Sid der Marienkäfer
Sid der Marienkäfer

"Susi, was ist das da vor uns?" "Nicht was, Bimbo, sondern wer", sagte Susi und fuhr dann fort: "Das ist Sid, ein Marienkäfer. Na, Sid, heute ganz alleine unterwegs, was macht die Familie?" Der Marienkäfer antwortete kurz etwas von "Arbeit" und "alles bestens", verschwand dann aber sofort. "Komischer Geselle, da musst du dich nicht wundern, ..., ähm, ja, wie heißt du eigentlich?" Der Affe sagte: "Ich bin Bimbo von der anderen Seite der Welt." "'Bimbo von der anderen Seite der Welt', ein ziemlich langer Name. Ich denke, dass Bimbo reicht. Wo genau ist denn die andere Seite der Welt, Bimbo?", fragte Susi mit einem belustigten Unterton. Bimbo sah sie verdutzt an und antwortete: "Na wenn man aus dem Wald rausgeht und dann sehr lange wandert, dann ist man auf der anderen Seite der Welt angekommen. Ich habe es in zwei Wochen geschafft. War kein Zuckerschlecken, das kann ich dir sagen." Susi nickte wieder, so, als würde ihr die Antwort reichen. "Ich komme aus Australien, das ist auch fast auf der anderen Seite der Welt. Ich hatte genug von den ewig gleichen Vögeln. Die wollten immer nur unter sich sein, nur Nymphensittiche, keine anderen Freunde. Ich bin aber nicht wie die anderen, und als einer kam, um seiner Familie einen kurzen Besuch abzustatten, und von diesem Urwald hier erzählte, da bin ich einfach mitgeflogen. Ich habe meine Koffer gepackt und habe abgehoben, innerhalb von nur wenigen Stunden ist das alles passiert." Bimbo war erstaunt. Susi schien ein mutiges Tier zu sein, ohne jegliche Bedenken und immer sehr bestimmend. Er hätte das nie gemacht, sein Opa hatte ihn erst aus den Bäumen schubsen müssen, damit er überhaupt auf die Wanderschaft ging. Das war vielleicht nicht unbedingt nett gewesen, dennoch hatte Bimbo eingesehen, dass sein Opa einfach nur das Beste für ihn gewollt und daher auch richtig gehandelt hatte. Jedenfalls schien er, Bimbo, das komplette Gegenteil von Susi zu sein. Ob ihm das wohl gut bekommen würde?

Das ungleiche Paar drehte folglich seine Runden durch den Wald und Bimbo bekam alles Sehenswerte zu sehen und alles Hörenswerte zu hören. Susi zeigte ihm sogar eine schöne Badestelle, nahe bei einem Wasserfall. Bimbo tat das, was er sich zu Hause nie getraut hätte. Er sprang vom Berg, über den der Wasserfall floss, in den kleinen See hinein. Das machte einen lauten Platsch, den wahrscheinlich jedes Tier im ganzen Urwald hören konnte. Bimbo jedoch machte das nichts aus. So ausgelassen und froh war er schon lange nicht mehr gewesen. Susi lachte und planschte ein wenig mit ihm, schließlich erinnerte sie das alles auch an ihren ersten Tag im schönsten Urwald auf der ganzen Welt.

Über all diesem Spaß vergaß Bimbo selbst seinen Hunger, der sich nach dem Baden wieder meldete, und zwar stärker als zuvor. Allerdings wusste seine neue Freundin Susi, die er übrigens gerade sehr zu mögen begann, auch hier Abhilfe. Sie sagte: "Nur noch ein Stückchen durch den Wald, dann kannst du etwas essen. Außerdem wartet dort eine große Überraschung auf dich!". Sehr geheimnisvoll erschien ihm das Ganze, doch Bimbo freute sich darauf.

Von großer Vorfreude und also einer gewissen Unternehmungslust gepackt, empfand Bimbo den Weg allerdings nicht gerade als "Stückchen", sondern als einen anstrengenden Marsch durch den immer dichter werdenden Wald. Die Sonne schien in diesem Bereich des Urwaldes nicht mehr so hell und der Boden glitzerte nicht mal annähernd, sondern sah einfach wie ganz normaler Sand aus. Der Affe verlor die Lust, und das entging auch seiner netten Begleiterin nicht. "Ach, Bimbo, jetzt mal nicht so träge! Das ist der Wohnbereich des Waldes. Hier ist es so dicht, damit alle Tiere ihre Ruhe haben. Du wirst sehen, gleich haben wir es geschafft, und dann, ja dann wirst du obendrein wie verrückt staunen." Da Susi dem Affen an einem einzigen Tag schon so viele wundervolle Sachen gezeigt hatte, vertraute er ihr. Staunen, das klang wirklich nicht schlecht, denn angenehm überraschen ließ er sich gerne. Außerdem hatte sie ja vorhin bereits erwähnt, dass es endlich Essen geben würde, und eine Banane hätte er gerade gut vertragen können.

So in Gedanken versunken bemerkte er überhaupt nicht, wie sie endlich am Ziel ankamen. Ein kleines Feuer flackerte am Boden und alles um die Feuerstelle herum wurde in warmes Licht getaucht. Gleich neben dem Feuer stand eine große Schale mit vielen Bananen und etwas, das wie Brot aussah. Des Weiteren hatte man Bimbo eine ganze Karaffe voller Wasser hingestellt, damit er die Bananen gut runterspülen konnte. Doch nicht das reichhaltige Essen war es, was ihm ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Es war viel mehr das, was sich hinter der Feuerstelle befand.

Seine eigene Hütte. Mit Bananenblättern abgedeckt und für einen einzelnen Affen wie ihn eigentlich viel zu groß. Er war sehr beeindruckt. Selbst zu Hause hatte er nicht sein eigenes Häuschen gehabt. Mit seiner Familie zusammen lebte er in einer Hütte. Bei dem Anblick dieser fantastischen Behausung jedoch erschien ihm die heimatliche in seiner Erinnerung ärmlich. Er sprang vor lauter Freude mehrere Male um das Feuer herum. Susi kam es so vor, als sei er verrückt geworden, doch das, was Bimbo da zeigte, war nur sein soeben neu erfundener Freudentanz. Diesem folgte das Gelage zusammen mit dem Nymphensittich vor dem schönen warmen Feuer. Keine Banane war vor ihm sicher. Bimbo stopfte alles in sich hinein, fast so, als hätte er Angst, dass der schöne Traum morgen vorbei sein könnte. Auch Susi langte ordentlich zu und sah nach dem Essen auch nicht mehr flugtauglich aus. Noch ein paar Mal tanzte Bimbo seinen Tanz, doch irgendwann siegte die Erschöpfung. Immerhin war das ein wirklich anstrengender und auch langer Tag für ihn gewesen. Bimbo wankte deshalb irgendwann spät in der Nacht in seine Hütte, legte sich dort hin, wo er das Bett vermutete, und war schon nach wenigen Sekunden in das Land der Träume versunken. Dies war also Bimbos erste Nacht in seinem neuen Zuhause.

Noch völlig überwältigt von den Geschehnissen des letzten Tages, wachte Bimbo erst gegen Mittag auf. Langsam streckte er sich in seinem Bett, jeden Knochen schüttelte er einzeln, und viele Male gähnte er so laut, dass die Wände der Hütte erzitterten. Benebelt wie er war, wankte er aus seiner Hütte auf der Suche nach etwas Essbarem. Doch alles, was er vorfand, waren die Reste von gestern. Die Bananenschalen lagen quer verteilt über dem Boden, die Wasserkaraffe schien verschwunden. Auch von dem Brot war nichts mehr zu finden. Ein wenig hilflos setzte er sich auf den Boden. Doch sofort sprang er wieder auf. Vielleicht war der kleine Nymphensittich in seiner Nähe, um ihm das Plätzchen für das Frühstück zu zeigen. Möglicherweise war das alles wieder ein Teil einer ihrer Überraschungen. Als er sie nirgendwo erblicken konnte, fing er an, nach ihr zu rufen: "Susi, wo bist du? Susi? Komm schon raus. Ich hab Hunger und keine Lust auf dieses Spielchen." Keine Antwort und vor allem keine Susi. Wimmernd ließ er sich wieder auf den Po plumpsen. Bimbo fühlte sich schrecklich allein und wollte am liebsten wieder nach Hause zurück. Wie hatte er sich das nur zutrauen können? Wieso schickte sein Opa ihn in einen Urwald, der sich am anderen Ende der Welt befand? Wieso gerade er und wieso gerade jetzt? Eine eigene Hütte, schön und gut. Doch keine Freunde und keine Familie zu haben, das war schlimm.

Tsssisch die Schlange
Tsssisch die Schlange

Ganz in seine traurigen Gedanken versunken, registrierte der Affe überhaupt nicht den neuen Gast, der sich froh und munter zischend seinen Weg zu Bimbos Hütte bahnte. "Wasss hassst du denn, du trauriger Affe?" Bimbo schreckte hoch. Vor ihm bäumte sich eine riesige Schlange auf. Vor diesen Viechern hatte sein Opa ihn immer gewarnt: "Schlangen, mein Junge, bringen nur Unglück!". "Geh weg, du böse Schlange, ich will dich hier nicht haben. Das ist meine Hütte, geh in deine eigene." Bimbo fielen nicht unbedingt die geistreichsten Sätze ein, aber immerhin etwas. "Tsss, warum sssollte ich dasss machen?", erwiderte die Schlange. "Alle Tiere hier im Wald sssind miteinander befreundet. Ich will dein Freund werden, mehr nicht. Mein Name ist Zsssisch. Wie heissst du?" "B-b-bimbo, aber das geht dich im Grunde nichts an. Ich habe schon einen Freund. Susi, den Nymphensittich. Mehr Freunde brauche ich nicht." Die Schlange hustete ein wenig verlegen: "Wo issst deine Freundin denn gerade im Augenblick?" Bimbo sah sich in der Luft um: "Da oben... irgendwo. Das versichere ich dir. Gleich kommt sie runter und wird dir in die Augen fliegen." Der Affe hoffte wirklich auf die kleine Susi, die es der bösen Schlange Zsssisch zeigen sollte. Doch sie kam nicht. Keine Susi. Nur ein Affe namens Bimbo und eine angsteinflößende Schlange, die den Namen Zsssisch trug. Beide Tiere starrten sich an, man konnte ihren Atem hören. "Okay, Bimbo, genug der Scherze. Sssusi hat mich geschickt. Nach eurem Gelage gessstern kann sssie keinen Flügelschlag mehr machen. Und da ich damalsss ihr erssster Waldfreund war, ssspringe ich natürlich gerne ein." Der Affe atmete erleichtert auf. "Puuh, du hast mir ganz schön Angst gemacht. Na gut, nur ein wenig Angst, nicht viel, wirklich nicht." "Schon gut, Bimbo", sagte die Schlange schmunzelnd, "wasss bevorzugssst du denn zsssum Frühstück? Vielleicht ein paar neue Bananen?".

Gemeinsam schlenderten die beiden durch den Wald. Besser gesagt: Bimbo schlenderte durch den Wald und Zsssisch schlängelte sich elegant durch das Geäst. Je mehr sie sich aus dem Wohnbereich der Tiere entfernten, desto heller wurde es wieder. "Gibt es hier viele solcher Hütten?", fragte der Affe die Schlange. "Nun ja, diessse Hütten gibt es überall im Wohnbereich. Jedoch liegen sssie auf verschiedenen Ebenen, je nachdem, welche Tiere in ihnen wohnen. Ich wohne ein wenig weiter oben in den Blättern der Bäume. Auf dem Boden habe ich immer die Angssst, dasss die anderen Tiere auf mich treten könnten. Issst ssso eine kleine Phobie von mir..." Bimbo war erstaunt über die Herbergsmöglichkeiten des Waldes. Das war anscheinend wirklich ein großer Urwald und er als kleiner großer Affe mittendrin.

Endlich erreichten sie die Lichtung mit den Bananenbäumen. Bimbo fühlte sich einmal mehr wie im Paradies. Bananen, so weit das Auge reichte. Aber nicht nur eine Sorte wuchs hier. So viele unterschiedliche Bananen hatte Bimbo noch nie gesehen. Kleine, große, riesige. Grüne, zitronengelbe, andere wiederum ähnelten der Farbe von Safran. Der Affe war einfach überwältigt. Zsssisch ließ ihn den Anblick genießen und verschwand wortlos zwischen den Bäumen.

Nach diesem Festessen verspürte der Affe Bimbo den Drang nach Bewegung. Am liebsten wäre er noch mal zu dem kleinen See mit dem Wasserfall gegangen, den Susi ihm gezeigt hatte. Allerdings hatte diese sich seit gestern Nacht nicht mehr blicken lassen und das wiederum stimmte ihn traurig. Selbst Zsssisch, der ihm im Nachhinein als ganz nett in Erinnerung geblieben war, hatte sich aus dem Staub gemacht, und somit sah es so aus, als müsse er den Tag allein verbringen.

Bimbo beschloss, den Urwald zu erkunden. Mit ein paar Bananen als Wegzehrung ausgestattet, machte er sich auf den Weg. "Wäre doch gelacht, wenn ich den See nicht wiederfinden könnte", dachte sich der Affe und marschierte munter drauflos. Schon nach wenigen Minuten entdeckte er einen Wasserfall, wenn auch einen anderen. Denn diesem schloss sich kein See, sondern etwas wie eine kleine Lagune an. Das Wasser war azurfarben, Bimbo konnte kleine weiße Kieselsteine im Wasser entdecken. Fast malerisch war alles. Bimbo ging näher an das Ufer heran, da trötete es plötzlich über ihm: "Aufgepasst, Wasserschlacht!". Der Affe konnte gar nicht so schnell reagieren, da prasselte das Wasser bereits auf ihn nieder. Pitschnass stand er nun da und suchte nach dem Übeltäter, der anscheinend ziemlich schnell wieder Reißaus genommen hatte. Er wagte sich wieder an den Rand der kleinen Lagune und besah sein Spiegelbild im Wasser. "Komisch, irgendwie sehe ich anders aus ...", dachte sich Bimbo, "ob das wohl an den Bananen liegt?".

Eli der Elefant
Eli der Elefant

Graue Ohren konnte er im Wasser erkennen und einen langen Schlauch in seinem Gesicht. Bimbo versuchte, diesen nun in seinem eigenen Gesicht durch ausgiebiges Abtasten ausfindig zu machen, doch er fand ihn nicht. Völlig verwirrt nahm er nicht im Geringsten wahr, dass aus dem Wasser langsam ein grauer, verschmitzt grinsender Kopf aufstieg und ihn neugierig beobachtete. Als dieser Kopf ihn jedoch mit Wasser bespritzte, erwachte Bimbo aus seiner Trance. Während er sich das Wasser aus den Augen wischte, lachte der Kopf vor ihm nur. "Mann, hast du eben blöd ausgeschaut. Wie ein dummer Affe eben." Das mochte der Affe gar nicht gerne hören. Er war vielleicht schüchtern und möglicherweise auch manchmal ein wenig feige. Aber nicht dumm - das waren die anderen, jedoch sicher nicht er. "Was wagst du dir?", schrie er deswegen dem grauen Kopf zu, "du erschreckst hier einfach so den ganzen Wald und sagst dann noch, dass die anderen dumm wären. So etwas macht man nicht, du hast keine Manieren. Außerdem: du siehst selber ganz schön dumm aus!" "Nein, das ist gewiss nicht der Fall." "Sehr wohl siehst du selber dumm aus, wie ein dummer grauer Kopf eben!" Bimbo fühlte sich in dem Augenblick, in welchem diese Worte aus seinem Mund geschossen kamen, sehr stark und schlau. Doch das Blatt wendete sich, als das graue Tier meinte: "Du weißt nicht, was ich bin? Dann bist du wirklich dumm oder nicht von hier. Das gehört doch zur Allgemeinbildung in diesem Urwald." Bimbo errötete, wenn auch nicht unbedingt merklich. "Wieso, was bist du denn?" "Ein Elefant. Ich bin der Elefant Eli." "Ein Elefant", wiederholte Bimbo leise und erwiderte dann laut: "Ach, dann weiß ich doch, was du bist. Mein Opa hat mir schon von Tieren wie dir erzählt, nur leider konnte er sie mir nie zeigen, weil keine in unserer Gegend wohnten." "Von wo kommst du denn?", fragte der Elefant recht interessiert. "Vom anderen Ende der Welt, ganz schön weit weg, das kann ich dir sagen." "Ja, es gibt viele, die einen langen Weg hinter sich haben, aber das ist es wert, oder etwa nicht? Magst du mit mir ein paar Runden schwimmen?" Bimbo willigte natürlich sofort ein und wusste gleichermaßen auf Anhieb, dass er einen neuen Freund gefunden hatte.

Für Bimbo verging die Zeit im Urwald wie im Fluge. Ständig mit seinen neuen Freunden Susi, Zsssisch und Eli zusammen, hatte er viel Spaß, erlebte so manches und konnte gar nicht immer alles verarbeiten. Jeden Tag entdeckte er neue Möglichkeiten, sich zu vergnügen, und diese nutzte er natürlich aus.

Dennoch hatte er vor allem in den Abendstunden das Gefühl, etwas zu vermissen. War es sein Opa, der ihm so sehr fehlte? Oder der Rest seiner Familie? Oft stromerte er durch den Wald auf der Suche nach einer Antwort. Bimbo wollte schließlich nicht undankbar erscheinen. Dieser Urwald war perfekt, einfach himmlisch, und nie im Leben wäre er hier freiwillig weggegangen. Höchstens, um seine Familie und insbesondere seinen Opa auch hierher zu holen.

Da er es nicht besser wusste und auf seinen Streifzügen durch das Dickicht des Waldes keine Erklärung fand, wendete er sich voller Vertrauen an den Nymphensittich Susi. Die jedoch druckste erst einmal nur herum. "Nun ja, vielleicht ist es wirklich so, dass du deine Familie vermisst, wer weiß. Mir ging es am Anfang auch ein wenig so, aber das hat sich nach kurzer Zeit schon gelegt, denn Zsssisch und ich hatten viel Spaß miteinander."

Selbst Eli, der immer sehr direkt und ehrlich zu ihm war, konnte ihm nichts Vernünftiges sagen. "Um dir das erklären zu können, bin ich noch zu jung", war das einzige, was Bimbo dazu von ihm zu hören bekam.
Einzig und allein Zsssisch hatte den Mut, ihm die Wahrheit zu sagen. Das passierte an einem schönen Nachmittag in der Hütte von Bimbo. "Ich kenne die Antwort auf deine Fragen, mein lieber Bimbo." Der Affe war verunsichert, da die Augen der Schlange so komisch funkelten. "Anscheinend kennt die jeder, nur ich nicht." "Ach Bimbo", erwiderte die Schlange, "dein Opa ist ein schlauer Mann. Er hat dich hierher geschickt, damit du die Liebe finden kannssst. Jeder, der in diesssen Wald kommt, findet sssie. Esss issst fassst ssso, alsss wolle der Urwald ssseine Bewohner miteinander verkuppeln. Du bissst sssehr schüchtern und dein Opa hat diesssen Urwald wohl als einzsssige Möglichkeit gesssehen, dir noch eine Frau zsssu beschaffen." Zsssisch sagte all dies vollkommen emotionslos, was Bimbo sehr schlimm erschien. Sein Opa hatte ihn sozusagen an einen Wald ausgeliefert, weil er nicht an seinen Enkel glaubte? "Du redest Unsinn, mein Opa würde das nie machen. Er liebt mich und er weiß, dass ich relativ gut bei den äffinnen ankomme." "Dasss mag sssein, Affe Bimbo, jedoch schien dasss deinem Großvater nicht ausssreichend zu sein. Spürssst du nicht auch den Drang nach einem Abenteuer? Diessses Abenteuer issst die Liebe und esss erwartet dich hier im Wald." Bimbo schüttelte heftig den Kopf. Fast so, als wolle er das eben Gehörte wieder aus den Ohren bekommen. "Nein, meine Freunde, die ich hier habe, die reichen mir. Was will ich mit einer Äffin, ich gehe sowieso irgendwann wieder nach Hause zurück. Ach was, nicht irgendwann, in zwei Sonnenaufgängen bin ich weg. Denn was ich brauche, das ist mein Opa. Elefanten, Marienkäfer und Schlangen, all das will ich gar nicht. Susi kann mich ja dann ab und zu besuchen kommen, dagegen hätte ich nichts einzuwenden. Aber den Rest, den brauche ich beim besten Willen nicht." Zsssisch konnte über diesen Trotzkopf nur schmunzeln: "Ach, Bimbo, dasss issst doch nichtsss Schlimmesss, die Liebe issst dasss Schönssste auf der Welt. Du brauchssst sssie wie wir alle. Du liebssst deinen Opa und du hassst Eli und mich auch sssehr gerne. Doch dasss issst eine andere Form von Liebe. Die einzsssig wahre Liebe, die du je erfahren wirssst, issst die, wenn du deine Äffin findessst." Bimbo starrte das Tier vor ihm ungläubig an. Diese alte Schlange versuchte ihm doch glatt weiszumachen, dass hier irgendwo eine Äffin rumstolzierte, die nur auf ihn wartete. Das war vollkommener Blödsinn, alles Quatsch. Dieser ganze Urwald war voll von Spinnern. Ja, eigentlich war der Urwald selber der größte von allen, wollte seine Bewohner miteinander verkuppeln. Das war überhaupt nicht möglich, dessen war sich Bimbo sicher. Er sehnte sich nach seinem geordneten Leben bei seiner Familie, nach dem Beisammensein, und er wollte zu seinem Opa, um die Wahrheit zu erfahren. Bestimmt hatte Zsssisch gelogen, um sich über ihn lustig zu machen. Schließlich hatte er ihn schon einige Male als "Opas Liebling" bezeichnet, und das nur, um ihn zu ärgern. Dieser ganze Wald wurde ihm zu viel, und deswegen sagte er zu Zsssisch: "Ich habe genug, ich werde wieder aus dem Urwald ausziehen."

Bimbo wusste, dass dieser Satz ihm sein schönes Leben im Urwald zerstörte, denn er bedeutete das Ende seiner Zeit in diesem Paradies. Keine Wasserfälle mehr, keine tausend Sorten von Bananen und auch keine anderen Freunde mehr. Bimbo wusste schon vor seiner Abreise, dass dies der größte Fehler seines Lebens werden würde, doch diese Beschämung konnte er nicht ertragen. Sein Opa hatte ihn aus weiter Ferne bloßgestellt vor allen anderen Bewohnern des gesamten Urwaldes. Sicherlich sprach man schon in jeder Ecke von Bimbo dem Affen, der keine abbekam. Deswegen wollte er so schnell wie möglich den Wald verlassen. Am besten ohne Abschied, ohne eine Träne und noch im Morgengrauen. Zu Zsssisch hatte er gesagt, dass er in zwei Sonnenaufgängen aus dem Urwald abhauen würde. Um nicht noch als einer dazustehen, dessen Ankündigungen man nicht ernst nehmen muss, versuchte er, diese Zeit auch einzuhalten. Das war ein Leichtes für ihn, da er keine Koffer oder Taschen zu packen hatte. Ein paar Bananen wollte er sich mitnehmen, als Reiseproviant. Wehmütig klapperte er einsam und allein noch einmal seine Lieblingsplätze ab, um die Bilder und die schönen Momente, die er hier erlebt hatte, zu verinnerlichen, damit er sie nie vergessen konnte. Langsam begann er zu glauben, dass dies sein Schicksal sei, dem er nicht entgehen konnte. Er würde diesen Urwald für immer und ewig verlassen ...
Am Morgen seiner Abreise fühlte sich Bimbo mehr als schlecht. Die Bananen lagen schon bereit, er musste nur noch seine Hütte verlassen und dann war er für immer fort. Bimbo wollte alles so schnell wie möglich hinter sich haben. Deswegen rannte er, nachdem er seine Hütte verlassen hatte, wie ein Wilder durch den Wald, um den Ort zu finden, an dem er ihn betreten hatte. Bei seinem Tempo war dieser auch schnell gefunden. Umso überraschender jedoch war der Fakt, dass alle seine Freunde sich an diesem Platz versammelt hatten - anscheinend um ihm Lebewohl zu sagen. Bimbo war zu Tränen gerührt, wollte dies dennoch nicht in aller Öffentlichkeit zeigen. Daher marschierte er an ihnen vorbei, so als würde er sie gar nicht sehen. "Bimbo, komm sofort zurück!", schrie es da im selben Moment. Susi sah ihn mit einem Blick an, den er so noch nie an ihr gesehen hatte. "Weißt du eigentlich, wie schwer die letzte Zeit für uns war? Kannst du dir das vorstellen? Alles haben wir gemacht, nur um dich vom Bleiben zu überzeugen. Wir haben Dinge getan, die die Natur in diesem Urwald so eigentlich nicht erlauben würde, aber wir haben uns dem widersetzt, um dich glücklich zu machen. Bitte gib uns noch ein paar Minuten und du wirst sehen, warum sich das Leben hier lohnt!" Susi flatterte aufgeregt durch die Luft, während sie sprach und setzte sich gegen Ende ihrer kleinen Ansprache auf dem Kopf des Affen nieder. Bimbo war gerührt und konnte sich nicht im Geringsten vorstellen, was dieses gewisse Etwas sein sollte, das ihn vom Bleiben überzeugen könne. Plötzlich hörte er ein merkwürdiges Summen. Es ähnelte dem, was er schon bei seiner Ankunft im Urwald gehört hatte. Es kam damals von den Schmetterlingen, und auch diesmal flogen sie durch den Wald direkt auf die Gruppe seiner Freunde zu. Doch diesmal war etwas anders. Die Schmetterlinge waren ausgelassener und verspielter. Man spürte eine gewisse Vorfreude, beinahe eine ansteckende Euphorie. Er sah eine ganze Wolke dieser Tiere durch den Wald fliegen. Sie versuchten, irgendetwas hinter ihrem bunten Treiben zu verstecken. Dies gelang ihnen auch sehr gut, wie Bimbo fand. Er versuchte etwas hinter der Mauer aus Schmetterlingen zu erkennen, dennoch konnte er keinen Blick auf das ihm Unbekannte erhaschen. Einzig und allein ein Duft von Abenteuer lag in der Luft.

Da fiel es dem Affen blitzartig ein. Die Liebe war wie ein Abenteuer, zumindest hatte Zsssisch das gesagt. Was konnte sich also anderes hinter diesem summenden Vorhang verstecken als seine Liebe? Bimbo wurde nervös. Einerseits wollte er sich nicht bloßstellen lassen. Andererseits hätte er nichts dagegen gehabt, einmal die Liebe zu sehen. Wie sie wohl aussah? Wie ein Affe, nur rot?

Langsam lichtete sich der Vorhang aus Schmetterlingen. Je näher sie dem Affen Bimbo kamen, desto mehr Schmetterlinge verschwanden. Nur noch wenige Schritte von Bimbo war die Liebe entfernt. Er schwitzte und schaute sich nervös um. Auch Zsssisch, Eli und Susi konnten die Spannung kaum noch ertragen.

Affe Bamba und Bimbo
Affe Bamba und Bimbo

"Hallo, ich bin Bamba." Eine weiche Stimme erklang und Bimbo wusste, dass er in diesem Urwald angekommen war. Vor ihm stand eine bildhübsche Äffin mit den schönsten Augen der Welt. "Ich komme vom anderen Anfang dieser Welt, und du?" Bimbo erschrak. Sprach sie etwa mit ihm? Das konnte nicht sein, sonst hatten die Äffinnen nie mit ihm gesprochen. Susi krallte sich in seinen Kopf, um ihn zu einer Antwort zu bewegen. "Ich? Ich komme vom andern Ende der Welt. Welch ein Zufall, nicht?", sagte Bimbo. Der Affe spürte, wie Tränen, die anscheinend von Susi kamen, auf seinen Kopf kullerten. Auch Bimbo hätte vor Freude weinen können. Seine Freunde hatten offensichtlich keine Anstrengung gescheut, um seine Liebe zu finden. Eigentlich muss man das allein tun. Mit einem dankenden Blick sah er seine Freunde an, die einfach nur gerührt von ihrer eigenen Überraschung waren.

Da geschah auf einmal das Unfassbare. Bimbo spürte, wie die Liebe durch seinen Körper fuhr. Ein wohlig warmes Gefühl überkam ihn und breitete sich in ihm aus. Seine Augen wurden ganz glänzend und kleine Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Das war ihm noch nie passiert. Angespannt stand er vor der Äffin und bekam kein Wort heraus, weil er so überwältigt von all den Eindrücken war. Doch nicht nur innerlich geschah etwas mit ihm. Auch äußerlich veränderte sich der Affe. Er versuchte, sich aufzuplustern, um größer und stärker zu erscheinen, denn er verspürte den Drang, Bamba zu beschützen, weil er sie für sein Ein und Alles hielt. Vor Kraft nur so strotzend wollte er erscheinen. Bamba lachte ein wenig, als sie sah, wie der Affe vor ihr sich verrenkte.

Bimbo nahm dies gar nicht wahr, weil auch plötzlich der Wald hinter Bamba in einem ganz neuen Licht erstrahlte. Bimbo war geblendet von der Schönheit all der Dinge, die sich in ihm befanden. Die Liebe machte etwas vollkommen Verrücktes mit ihm, sie veränderte seine Wahrnehmung. Die Liebe, das wusste er schlagartig, war genauso bunt wie die Blumen im Urwald. Nein, noch viel bunter. Bimbo konnte sich gar nicht entscheiden, wie bunt die Liebe nun sein sollte. Auf alle Fälle war sie für ihn so schön wie alle Blumen im ganzen Urwald, und sie schillerte genauso wie die Pflanzen in den schönsten Farben.
Außerdem war seine Liebe mindestens genauso endlos wie die allergrößten Bäume im Urwald, die ihm natürlich jetzt noch um einiges höher als vorher erschienen. Er konnte gar kein Ende sehen. Bimbo aber wusste, dass, wie die Bäume gewachsen waren, auch seine Liebe zu Bamba nur noch größer werden konnte. In einem einzigen Moment erkannte er das.

Affe Bimbo und Bamba
Affe Bimbo und Bamba

Und nun verstand er auch endlich, was die Schmetterlinge die ganze Zeit summten. Sie sangen ein Lied von der Liebe. Die Töne verwandelten sich in Wörter, die er langsam nachsprach. Bamba wurde bei all diesen Nettigkeiten ganz rot im Gesicht, dennoch gefiel es ihr, was der Affe da vor sich hin stotterte.
Die Liebe blendete ihn so sehr, dass er für kurze Zeit verstummte. Eine Stille breitete sich über den Tieren aus. Bimbo war ein wenig erschöpft von den vielen Eindrücken und wusste gar nicht so recht, wie er sie aufnehmen sollte. Mit schüchternen Augen sah er seine große Liebe an, die ihm aufmunternd und vertraut zulächelte.

"Komm Bimbo, lass uns ein wenig spazieren gehen. Ich will noch so viel über dich erfahren ..."
Mit diesem Satz wurden die Äffin Bamba und der Affe Bimbo unzertrennlich. Jeder Tag erschien ihnen wie der schönste Tag im Leben, weil sie einander hatten. Keiner konnte oder wollte ohne den anderen sein.


Den Urwald, von dem hier die Rede ist, den gibt es vielleicht nicht mehr, doch die Liebe von Bamba und Bimbo ist es, die alle Zeiten überstanden hat. Denn noch heute erzählt man die Geschichte vom Affen Bimbo, der im schönsten Urwald dieser Welt seine große Liebe fand.